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Zur Technik

Der Salzbrand ist eine Sonderform keramischer Erzeugnisse. Die Brenntemperatur liegt zwischen 1240° und 1320° C, was zu einem dicht gebrannten Tonscherben führt. Der Ofen muß hierbei mit einer offenen Flamme befeuert werden, also mit Holz, Öl, oder Gas, denn im oberen Temperaturbreich wird reduzierend d.h. mit Kohlenstoffüberschuß gebrannt. Beim Erreichen der Höchsttemperatur wird reines Kochsalz (NaCl) durch Öffnungen in der Ofendecke in den Brennraum eingebracht. Bei dieser hohen Temperatur zerspringen die einrieselnden Salzkristalle infolge des mitgeführten Wassers explosionsartig. Das Wasser verursacht aber nicht nur eine Zerkleinerung des Salzes, es ist auch für die chemischen Umsetzungen unbedingt erforderlich. Natrondämpfe entstehen, und schlagen sich auf den Gefäßen nieder. Hier verbindet sich der Dampf mit dem im Ton vorhandenem Quarz (Siliziumoxid) zu einem Natron-Aluminium-Silikat, der Salzglasur. Hierbei entsteht auf der Oberfläche der Gefäße eine Schmelze, welche dem Gefäß später sein charakteristisches aussehen veleiht. (apfelsinenhautähnliche Struktur der Oberfläche). Für ihre Salzglasur ist die Keramik des Westerwaldes überall bekannt. Jahrhundertelang war die Farbkombination Blau -Grau dafür ein Synonym. Denn von den Metalloxiden, die der Glasur ihre Farbe verleihen, waren bisher nur wenige den extrem hohen Brenntemperaturen gewachsen.

Die Salzglasur ist eine Anflugglasur. Das macht, technologisch gesehen, das Besondere an ihr aus. Andere Glasuren werden ausnahmslos vor dem Brennen auf die Erzeugnisse gebracht, Salzglasur entsteht jedoch während des Brandes.

Das salzglasierte Steinzeug war wegen seiner Säurebestängigkeit für die Vorratswirtschaft unverzichtbar, und ein begehrtes Handelsgut in ganz Mitteleuropa. Wo und wann die Methode der Salzglasur zum ersten mal entstand, ist mit letzter Sicherheit nicht zu sagen. Im 15. Jahrhundert tauchen an verschiedenen Orten des Rheinlandes die ersten salzglasierten Steinzeug-Gefäße auf.

Um eine perfekte Salzglasur zu erhalten, bedarf es besonderer Vorraussetzungen: Die geeignete Tonerde, hohe Brenntemperatur, und der richtige Moment, das Salz in den Ofen zu schaufeln. Möglicherweise ist es findigen Töpfern zuzuschreiben, den Anflug salzig schmeckender Holzaschen als Ursache für Glanzbildung an sinterdicht gebrannten Gefäßen erkannt zuhaben und infolgedessen mit der Zugabe von Salz während des Brennvorgangs zu experimentieren.

Das beim Brennvorgang erstmals wahrscheinlich im 15. Jh. beigefügte Kochsalz (NaCl) spaltet sich durch die hohe Brenntemperatur in Natrium und Chlor auf. Während letzteres gasförmig unter unangenehmer Geruchsentwicklung entweicht, entsteht durch die Verbindung von Natrium und Kieselsäure auf dem gesinterten Scherben die Glasur. Anfangs wurde wahrscheinlich nur eine mit Salz versetzte Engobe aufgebracht. Seit Beginn 16. Jh. erübrigte sich durch Erzielung von Temperaturen von bis zu 1300° C eine Engobe, weil das Tonmaterial bei so hohen Brenntemperaturen gleichmäßig sintert. Das Kochsalz wurde von da an durch Öffnungen in die Brennkammer gestreut.

“Bei der Herstellung der klassischen Salzglasur wird während des Brandes Kochsalz in den Ofen eingebracht wird. Das verdampfende Salz reagiert mit dem Wasserdampf und die dabei entstehenden Chlornatriumdämpfe schlagen sich dann als Glasur auf dem Scherben nieder. Die Salzglasur ist äußerst kratzfest, säure- und alkoholbeständig. Sie wurde in der Vergangenheit deswegen gerne für Bierkrüge, Sauerkrauttöpfe etc. verwendet. Heute findet man sie noch häufig bei Baukeramik. Die bei der Baukeramik häufig anzutreffende braune Farbe liegt am Scherben, dessen Zusammensetzung die Farbe der Salzglasur bestimmt. Salzglasur wird reduzierend gebrannt, das heißt im Ofen darf während und nach dem Salzen keine Sauerstoffzufuhr sein.”

Salzglasur birgt ein Problem, der ihre Anwendung in den heute verbreiteten Labor- und Keramiköfen verbietet. Bei der Umsetzung des Salzes mit Wasser in der Dampfphase bildet sich Salzsäure (Chlorwasserstoffgas) und Natriumoxid.
Natriumoxid schlägt sich auf den Gefäßwandungen nieder, dort bildet es zusammen mit den Alumosilikaten, Siliziumdioxid und evtl. vorhandenen Eisen- und Calciumoxiden ein Glas. Da dabei das stark (lewis-basische) Natriumoxid aus dem Gleichgewicht entfernt wird, verschiebt sich diese Reaktion, die bei gewöhnlichen Bedingungen umgekehrt ablaufen würde. Auch die Salzsäure verdampft und wird aus dem Gleichgewicht entfernt.
Sowohl Salzsäuregas als auch Natriumoxid bringen Probleme mit sich. Salzsäuredämpfe stellen nicht nur ein Gesundheitsrisiko dar, sondern ruinieren in kürzester Zeit Elektrik und Heizspiralen der modernen Öfen. Natriumoxid verglast zusätzlich die Ofenwandungen.
(Bilder 6 und folgende: SALZGLASUR Köln 16. Jh.)